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Aufsätze

aus unserer Monatszeitschrift "Staat und Wirtschaft in Hessen"

Wo blieb der Preisschock der Mehrwertsteuererhöhung?

Eine Analyse der Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung 2007 auf die Inflationsrate in Hessen

Autor(in): Dr. Hans Herbert Krieg Heft: 10-2007

Zusammenfassung:

Der befürchtete Preisschock durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar dieses Jahres blieb für die Verbraucher aus, so die allgemeine Meinung. Die Jahresteuerungsrate in Deutschland stieg lediglich um 0,2 Prozentpunkte auf 1,6 % im Januar 2007. Die rechnerische Wirkung einer vollständigen Weitergabe der Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher auf die Inflationsrate liegt jedoch bei 1,4 Prozentpunk-ten. Etwas anders sah die Entwicklung in Hessen aus. Die Jahresteuerungsrate stieg deutlich um 0,7 Prozentpunkte auf 2,0 % im Januar 2007 (vgl. Schaubild 1). Dies entspräche fast der Hälfte der rechnerischen Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung. In den anderen Bundesländern legte die Inflationsrate im Januar zwischen 0,1 und 0,6 Prozentpunkten zu. Damit wurde in Hessen der größte Sprung nach oben beobachtet. Im weiteren Verlauf des Jahres sank die Inflationsrate in Hessen wieder bis auf 1,6 % im Juni. Dieser Wert wurde ebenfalls im Juli und im August erreicht. Diese Entwicklung spricht dafür, dass in Hessen eine zeitlich verzögerte Weitergabe der verbliebenen Last der Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher zumindest bis dahin weitgehend ausblieb. Im Gegensatz dazu stieg die Inflationsrate für Deutschland im März auf 1,9 %. Dieser Wert wurde auch in den folgenden Monaten erreicht, lediglich im Juni lag die Inflationsrate mit 1,8 % etwas niedriger. Im September folgte ein deutlicher Anstieg der Inflationsrate in Deutschland auf 2,5 % und in Hessen auf 2,3 %. Hierfür ursächlich war vor allem die Preisentwicklung bei den Mineralölprodukten. Allerdings zeigten sich in Hessen auch Spielräume für eine Überwälzung der Mehrwertsteuererhöhung an die Verbraucher. Es reicht nicht aus, nur die Entwicklung der Inflationsrate in diesem Jahr zu betrachten. Es ist anzunehmen, dass in manchen Bereichen in Erwartung der Mehrwertsteuererhöhung die Preise schon im Verlauf des Jahres 2006 erhöht wurden. So begründete die Tabakindustrie die Preisanhebung für Zigaretten und andere Tabakwaren im Oktober des Vorjahres mit der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung. Erschwert wird die Analyse der Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung auf die Inflationsrate durch saisonale Einflüsse auf die Preise beispielsweise von Reisen, durch das starke Schwanken der Preise für Mineralölprodukte sowie die hohe preisliche Wettbewerbsintensität insbesondere auf den Märkten für langlebige Gebrauchsgüter. Auch statistische Basiseffekte spielen eine Rolle. So war der Verbraucherpreisindex im Januar 2006 in Hessen deutlich stärker zurückgegangen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Diese niedrige Basis hebt ein Jahr später die Inflationsrate vorübergehend nach oben. Der hohe, in den folgenden Monaten zunächst nicht mehr erreichte Wert von 2,0 % für die Inflationsrate im Januar 2007 ist teilweise durch einen solchen statistischen Effekt bedingt. Auch der deutliche Anstieg der Inflationsrate im September auf 2,3 % ist auf einen Basiseffekt bei Mineralölprodukten zurückzuführen. Die folgende Analyse hat zum Ziel, für Hessen anhand von langjährigen Verlaufsmustern der Preisentwicklung einzelner Produktgruppen Anhaltspunkte dafür zu finden, in welchem Ausmaß und in welchen Zeiträumen die Überwälzung der Mehrwertsteuererhöhung erfolgte.

Übersicht sämtlicher Beiträge der Monatszeitschrift "Staat und Wirtschaft in Hessen" seit 1946

Die Übersicht ist nach Themenbereichen gegliedert. Innerhalb der Themenbereiche sind die Titel aufsteigend nach dem Erscheinungsjahr sortiert; daneben sind weitere bibliographische Angaben enthalten. Alle gelisteten Beiträge können als Kopie gegen Kostenerstattung beim Hessischen Statistischen Landesamt angefordert werden.