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Methodische Erläuterungen und Annahmen

Methode

Die vorliegende Bevölkerungsvorausberechnung für die Landkreise und kreisfreien Städte Hessens orientiert sich an der unteren Variante (Variante 1-W1) der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder (KBV) für das Land Hessen1). Die Annahmen bezüglich der künftigen Entwicklung der Geburten, Sterbefälle und Wanderungsbewegungen wurden übernommen und für die Zwecke der Regionalisierung ergänzt.

Die Berechnungen beruhen auf der Komponentenmethode, d. h. eine Ausgangsbevölkerung wird Jahr für Jahr fortgeschrieben, indem Gestorbene und Fortgezogene abgezogen und Zugezogene hinzugezählt werden. Die im Laufe des Jahres lebend Geborenen bilden jeweils die neue Kohorte der unter Einjährigen des darauf folgenden Jahres. Dieses Verfahren wird für jedes Berechnungsjahr und unter Berücksichtigung der Annahmen über die zukünftige Entwicklung der Komponenten durchgeführt. Die Festlegung der Annahmen wird im Wesentlichen auf Analysen über die Komponentenentwicklung in der Vergangenheit gestützt. Ergebnisse derartiger Vorausberechnungen zeigen keine präzise eintreffenden Entwicklungen auf, sondern machen auf Tendenzen aufmerksam. Diese treten ein, sofern die der Vorausberechnung zugrunde gelegten Annahmen bezüglich Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen zutreffen.

Ausgangsdaten

Basis der Vorausberechnung ist der Bevölkerungsbestand der Landkreise und kreisfreien Städte am 31. Dezember 2008 in der Gliederung nach Einzelaltersjahren und Geschlecht. Hierbei handelt es sich um die Fortschreibung des Ergebnisses der Volkszählung 1987 durch Geburten und Sterbefälle sowie Zu- und Fortzüge. Hierzu ist anzumerken, dass die Fortschreibung mit zunehmendem Abstand vom Volkszählungsergebnis ungenauer wird. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Hochbetagten auf Grund der Fortschreibung überschätzt wird. Daher wurde der Bevölkerungsbestand in den Altersjahren 80 und älter für Hessen um 7 663 Personen reduziert. Diese Reduzierung wurde anteilig auf die einzelnen Landkreise herunter gebrochen. Da eine Bevölkerungsvorausberechnung jedoch keine Vorhersage ist, sondern zum Ziel hat, langfristige Veränderungen im Altersaufbau und in der Bevölkerungsgröße in der Zukunft sichtbar zu machen, beeinträchtigt diese Bereinigung die Aussagekraft der Ergebnisse nur unwesentlich. Im vorliegenden Bericht sind für das Jahr 2008 die tatsächlichen Zahlen aus der Bevölkerungsfortschreibung dargestellt. Die berechneten Veränderungen für die Positionen „80 oder älter“ und „Insgesamt“ beziehen sich allerdings auf die bereinigte Bevölkerungszahl.

Eine Korrektur der Fortschreibungszahl wird der Zensus 2011 mit sich bringen.

Der Vorausberechnungszeitraum reicht für die Landkreise und kreisfreien Städte bis 2030, die modellhafte Weiterrechnung auf Landesebene bis zum Jahr 2060.

Geburtenziffern

Für die Berechnung der künftigen Geburten in den Landkreisen und kreisfreien Städten wurden die jeweiligen altersspezifischen Geburtenziffern aus dem Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2008 zugrunde gelegt. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau liegt für Hessen insgesamt bei rund 1,4, die Spannweite der Landkreise und kreisfreien Städte reicht von 1,24 Kindern pro Frau in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Gießen bis 1,55 in Offenbach am Main. Dieses nunmehr seit drei Dekaden relativ gleich bleibende Geburtenniveau liegt um ein Drittel unter dem Stand, der für den so genannten Generationsersatz (2,1 Kinder je Frau) erforderlich ist. Weil derzeit keine Anzeichen für eine Veränderung des Geburtenverhaltens vorliegen, wird angenommen, dass die Geburtenziffern über den gesamten Berechnungszeitraum konstant bleiben.

Sterbeziffern

Für die Berechnung der zu erwartenden Sterbefälle wurden die Sterbewahrscheinlichkeiten der Landkreise und kreisfreien Städte im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2008 zugrunde gelegt. Die jeweiligen alterspezifischen Sterbeziffern wurden bis 2030 analog der 12. KBV auf ein Niveau abgesenkt, das einer Zunahme der Lebenserwartung bei männlichen und weiblichen Neugeborenen von gut bzw. knapp drei Jahren entspricht.

Wanderungssalden

Grundlage ist die Wanderungsannahme der Variante 1-W1 der 12. KBV Bevölkerungsvorausberechnung für das Land Hessen. Die Wanderungssalden Hessens mit dem Bundesgebiet (Binnenwanderungen) wurden durch Fortzugsziffern der anderen Bundesländer der Jahre 2005 bis 2007 errechnet. Nach 2020 sinken die Ziffern bis 2030 schrittweise auf Null und ab 2031 bis 2060 werden die Binnenwanderungen nicht mehr berücksichtigt.

Die Wanderungssalden mit dem Ausland (Außenwanderungen) ergeben sich aus den Annahmen für das gesamte Bundesgebiet, an die Quoten für die Berechnung der Anteile Hessens angelegt wurden. Die Aufteilung der über die hessische Landesgrenze angenommenen Nettozuwanderung auf die Landkreise und kreisfreien Städte erfolgte getrennt nach Nettozuwanderungen aus dem Ausland bzw. den Wanderungsbewegungen mit den anderen Bundesländern entsprechend der Entwicklung ab dem Jahr 2002 bis 2008. Die Wanderungsgewinne und -verluste aus der Landesbinnenwanderung (Wanderungen zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten Hessens) wurden ebenfalls — den Gegebenheiten ab dem Jahr 2002 folgend — berücksichtigt.

Nach den getroffenen Annahmen ergibt sich für Hessen ab 2010 ein Außenwanderungsgewinn, der mit der Beendigung der Übergangsregelung zur Arbeitnehmerfreizügigkeit für die Länder der EU-Osterweiterung bis 2014 allmählich ansteigt. Zudem wird angenommen, dass der Rückgang der Erwerbspersonen im Zuge des demografischen Wandels eine Zunahme von Arbeitsmigranten aus dem Ausland mit sich bringt. Für die Binnenwanderung wird angenommen, dass die Zuwanderung der jüngeren, potentiell nach Hessen zuziehenden Altersgruppen aus den neuen Bundesländern deutlich kleiner wird (starker Geburtenrückgang nach der Wende).

Die Annahmen des Wanderungsaustauschs über die Grenzen Hessens ergeben zusammen einen von 2010 (800) bis 2014 (6800) kontinuierlich ansteigenden Wanderungsgewinn. Ab dann wird bis 2030 mit einem durchschnittlichen Wanderungsgewinn von 6500 Personen pro Jahr gerechnet, danach bis 2060 mit 7400 Personen jährlich.