Bevölkerungsvorausberechnungen zeigen, wie sich die Bevölkerungszahl und der Altersaufbau unter bestimmten Annahmen zur Entwicklung wesentlicher demografischer Einflussfaktoren - Geburtenhäufigkeit, Sterblichkeit und Wanderungen - verändern. Vorausberechnungen dürfen jedoch nicht als Prognosen im Sinne von „Vorhersagen“ missverstanden werden. Es sind vielmehr Szenarien die zeigen, wie sich die Bevölkerung und deren Struktur verändern werden, sofern die gesetzten Annahmen eintreffen.
Die Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes sind zwischen den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder koordiniert. Das heißt, die Ergebnisse für Deutschland und die 16 Bundesländer beruhen auf abgestimmten Annahmen und gleichen Berechnungsverfahren. Sie machen deshalb Vergleiche der demografischen Entwicklung zwischen den Ländern möglich.
Die Berechnungen werden nach der Kohorten-Komponenten-Methode durchgeführt. Dabei werden aus den Daten der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung der statistischen Landesämter und den erkennbaren Entwicklungstendenzen Umfang und Struktur der Bevölkerung in näherer und fernerer Zukunft quantifiziert. In das Rechenmodell fließen die Bevölkerungskomponenten (Geburten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge) und die Annahmen über ihre als wahrscheinlich erachteten Veränderungen ein.
Die Annahmen zur Entwicklung der Geburtenhäufigkeit und Sterblichkeit beruhen in erster Linie auf Untersuchungen der Verläufe dieser Komponenten im Zeit- und Ländervergleich. Es werden aber auch Hypothesen über die Auswirkungen sozialer, ökonomischer und gesundheitlicher Entwicklungen berücksichtigt, die bereits erkennbar sind. Während Geburten- und Sterblichkeitsniveau einen mehr oder weniger kontinuierlichen Verlauf aufweisen und ihre Entwicklung relativ überschaubar ist, lassen sich Wanderungen nur mit großen Unsicherheiten schätzen. Ihr Verlauf hängt sowohl von demografischen, ökonomischen und ökologischen Gegebenheiten und Auswirkungen als auch von politischen Ereignissen und Weichenstellungen ab. Daher werden die Vorausberechnungen in regelmäßigen Abständen mit Hilfe von aktualisierten Annahmen neu justiert und der Zeithorizont wird erweitert.
Die bisherige Entwicklung der Wanderungsbewegungen über die Bundesgrenze zeigt, welchen Variationsspielraum der Wanderungssaldo aufweisen kann. So gab es beispielsweise seit 1970 kurze Perioden mit niedrigen oder sogar negativen Wanderungssalden, denen längere Perioden mit hohen Zuwanderungsüberschüssen aus dem Ausland folgten. Deshalb war bei den Annahmen zur Wanderungsentwicklung bis 2060 nicht der gegenwärtig niedrige, bzw. sogar negative Wanderungssaldo ausschlaggebend. Im Vordergrund standen vielmehr die langfristigen Wanderungsströme sowie die aus heutiger Sicht absehbaren Entwicklungen, die das künftige Wanderungsgeschehen beeinflussen können. Bei der Vorausberechnung nach Ländern wird zusätzlich die Binnenwanderung berücksichtigt. Das sind die Zu- und Fortzüge über die Landesgrenzen hinweg innerhalb Deutschlands. Die Annahmen zur Binnenwanderung wurden für einen mittelfristigen Zeithorizont bis 2030 getroffen, da die Wanderungsbewegungen zwischen den Ländern sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder abhängen, und sich nur sehr eingeschränkt voraussehen lassen.
Auf Bundesebene wurden für die Bundesländer 2 Modellrechnungen erstellt, die sich ab dem Jahr 2020 durch unterschiedlich hohe Ansätze für die Außenwanderung unterscheiden. Beide Varianten rechnen ab 2010 wieder mit Wanderungsgewinnen. In der ersten Variante steigt der jährliche Wanderungssaldo bis zum Jahr 2014 auf 100 000 Personen und verharrt auf diesem Niveau. Variante 2 orientiert sich stärker an der längerfristigen Entwicklung in der Vergangenheit. Es werden ein Anstieg des jährlichen Wanderungssaldos auf 200 000 Personen bis zum Jahr 2020 und anschließende Konstanz unterstellt. Das Wanderungssaldo Hessens beträgt jeweils etwa 7 % des Gesamtsaldos.
Den hier dargestellten Ergebnissen für Hessen liegen die Basisdaten und Annahmen der Variante 1 zu Grunde:
• Basis ist der Bevölkerungsstand aus der laufenden Fortschreibung nach Geschlecht und Alter auf Landesebene zum Stichtag 31.12.2008
• Die durchschnittliche Geburtenhäufigkeit bleibt annähernd konstant bei 1,4 Kinder je Frau
• Die Lebenserwartung nimmt bis 2060 bei männlichen Neugeborenen um 7,7 auf 85,2 Jahre und bei weiblichen Neugeborenen um 7 auf 89,4 Jahre zu.
• Der jährliche Wanderungssaldo steigt in den kommenden Jahren wieder an und liegt ab 2014 bei durchschnittlich rund 7000 Personen pro Jahr.
Das Hessische Statistische Landesamt wird auf Grundlage der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder eine regionalisierte Vorausberechnung auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte erstellen. Bis diese Ergebnisse vorliegen ist die Variante 1 der regionalisierten 11. koordinierten Vorausberechnung am ehesten mit den aktuellen Berechnungen vergleichbar und sollte solange verwendet werden.