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178/2014         22.07.2014

Arbeitskosten in Hessen weiter überdurchschnittlich — Anstieg im Dienstleistungsbereich deutlich langsamer

Hessen war im Jahr 2012 das Land mit den höchsten Arbeitskosten in Deutschland. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, lagen die Arbeitskosten mit 34,68 Euro je geleisteter Stunde um 13,0 Prozent über dem für Deutschland insgesamt ermittelten Wert von 30,70 Euro und um 8,6 Prozent über dem Durchschnittswert von 31,94 Euro für die westdeutschen Länder.

Die vergleichsweise hohen Arbeitskosten in Hessen sind maßgeblich durch die Wirtschaftsstruktur mit dem Schwerpunkt auf die unternehmensnahen Dienstleistungen – und hier insbesondere die Finanzdienstleistungen – bedingt. Gerade in diesen Bereichen stehen hessische Unternehmen in einem starken, teils internationalen Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte, der nur durch entsprechend hohe Verdienste (die rund drei Viertel der Arbeitskosten ausmachen) zu bestehen ist.

Den Finanz- und Versicherungsdienstleistern in Hessen, dazu gehören Kreditinstitute, Bausparkassen, Beteiligungsgesellschaften, Investmentfonds, Versicherungen sowie alle mit den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten (u. a. Börsen) entstanden 2012 durchschnittlich Arbeitskosten von 60,45 Euro je geleisteter Stunde. In Westdeutschland waren es 47,96 Euro. Für Unternehmen, die freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen erbringen, wie Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung sowie Ingenieurleistungen, lagen die Arbeitskosten in Hessen bei 45,25 Euro je geleisteter Stunde und in Westdeutschland bei 39,62 Euro. Bei Unternehmen aus dem Bereich „Grundstücks- und Wohnungswesen“ war der Abstand mit 39,19 Euro in Hessen und 35,07 Euro in Westdeutschland ebenfalls deutlich. In diesen drei Dienstleistungsbereichen hat Hessen jeweils die höchsten Arbeitskosten in Deutschland.

Die Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe waren in Hessen (38,64 Euro je geleisteter Arbeitsstunde) zwar ebenfalls überdurchschnittlich (Westdeutschland 36,83 Euro), allerdings nicht so deutlich wie bei den genannten Dienstleistern. Die höchsten Arbeitskosten im Verarbeitenden Gewerbe entstanden in Hessen den Herstellern pharmazeutischer Erzeugnisse mit 63,75 Euro je geleisteter Stunde und in der Produktion von Kfz (51,43 Euro).

Im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Jahr 2008 stiegen die Arbeitskosten in Hessen für die Wirtschaft insgesamt im Jahr 2012 mit 6,7 Prozent merklich langsamer als im Durchschnitt Deutschlands (plus 9,3 Prozent) und der westdeutschen Länder (plus 9,2 Prozent). Ein Blick auf die sektorale Entwicklung zeigt jedoch deutliche Unterschiede. Während die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe mit einem Plus von 10,0 Prozent über dem Durchschnitt der westdeutschen Länder lag (plus 8,5 Prozent), blieb der Dienstleistungsbereich mit einem Plus von 5,2 Prozent deutlich unter dem Wert für Westdeutschland (plus 10,1 Prozent). So hat die zwischen den beiden Erhebungsjahren 2008 und 2012 liegende Weltfinanzkrise beispielsweise deutliche Spuren im für Hessen besonders wichtigen Finanzsektor hinterlassen. Die Arbeitskosten bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern lagen in Hessen 2012 lediglich 0,3 Prozent über dem Niveau von 2008. Im Durchschnitt der westdeutschen Länder waren es 10,9 Prozent.

 

Erläuterungen zur Arbeitskostenerhebung

Alle vier Jahre, zuletzt für 2012, werden in Deutschland nach europaweit einheitlichen Standards die Arbeitskosten der Unternehmen detailliert ermittelt. Um die Belastung der Wirtschaft möglichst gering zu halten, erfolgt die Befragung als Stichprobe bei etwa jedem neunten Unternehmen mit zehn oder mehr Beschäftigten. Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten werden nicht erfasst. Vom Hessischen Statistischen Landesamt wurden gut 2400 Unternehmen befragt, in Deutschland insgesamt rund 32 000 Unternehmen.

Die Arbeitskosten umfassen im Wesentlichen die Bruttoverdienste der Arbeitnehmer (einschließlich der Auszubildenden), die Sozialbeiträge der Arbeitgeber einschließlich der Kosten für die betriebliche Altersvorsorge sowie die Kosten der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die vom Arbeitgeber getragen werden.

Die geleisteten Arbeitsstunden werden ausgehend von den bezahlten Arbeitsstunden durch Abzug der Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie sonstiger Ausfallzeiten berechnet. Die durchschnittlich von einem vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer im Jahr 2012 geleistete Arbeitszeit betrug in Hessen 1652 Stunden.

Auskünfte erteilt:

Alexandra Kelz
Telefon: 0611 3802-648
E-Mail: verdienste@statistik.hessen.de