Mehr Asylbewerber in Hessen
2011 erhielten in Hessen rund 8800 Personen Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, das waren knapp 16 Prozent mehr als 2010. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, wurde damit der seit 1997 rückläufige Trend zum zweiten Mal in Folge durchbrochen. Von 2009 auf 2010 hatte die Zahl der Asylbewerber erstmalig seit 1997 zugenommen (+ 1,5 Prozent). Ende 1997 wurde mit gut 53 300 Empfängern ein Höchststand erreicht; damit lag die Empfängerzahl im Juli 2011 um 82 Prozent niedriger als 1997.
Der Personenkreis der Leistungsempfänger umfasst neben den Asylbewerbern unter Anderem auch geduldete, vollziehbar ausreisepflichtige Familienangehörige von Asylbewerbern und seit 1997 die Bürgerkriegsflüchtlinge. Das Asylbewerberleistungsgesetz trat 1993 in Kraft. Vorher bezog dieser Personenkreis Sozialhilfe.
Mit 54 Prozent (2010: 50 Prozent) stammten die meisten Empfänger von Leistungen aus Asien, knapp 19 Prozent (2010: 23 Prozent) kamen aus Europa und etwa 18 Prozent (2010: 17 Prozent) aus Afrika. Die restlichen knapp neun Prozent kamen aus den übrigen Erdteilen bzw. ihre Staatsangehörigkeit war unbekannt oder sie waren staatenlos. Wie bereits in den Vorjahren erhöhte sich der Anteil der Asylbewerber aus Asien und es verringerte sich der Anteil der Asylbewerber aus Europa.
Mit knapp 15 Prozent bildeten die Asylbewerber aus Afghanistan die größte Gruppe der Leistungsempfänger, gefolgt von Asylbewerbern aus Pakistan mit 13 Prozent und Iran mit gut sieben Prozent. Aus der Türkei und Eritrea kam je sechs Prozent der Asylbewerber.
Mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren ersuchten meist jüngere Menschen um Asyl. Hauptantragsteller waren mit drei Zehntel die 25- bis unter 40-Jährigen. Gut ein Viertel der Empfänger waren noch minderjährig.
Bezüglich des aufenthaltsrechtlichen Status bildeten im Jahr 2011 mit 46 Prozent Bewerber mit einer Aufenthaltsgestattung die größte Gruppe, gefolgt von den geduldeten Ausländer mit 37 Prozent. Vollziehbar zur Ausreise verpflichtet waren sechs Prozent, eine Aufenthaltserlaubnis hatten gut fünf Prozent, und weitere knapp fünf Prozent waren Familienangehörige.
Drei Viertel der Empfänger erhielten Grundleistungen und ein Viertel erhöhte Leistungen als Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU). 53 Prozent der Asylbewerber waren 2011 dezentral untergebracht, 40 Prozent lebten in Gemeinschaftsunterkünften und sieben Prozent in Aufnahmeeinrichtungen.
Die Bruttoausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz betrugen 2011 rund 56,5 Millionen Euro, sieben Prozent mehr als 2010. 75 Prozent der Ausgaben wurden für Regelleistungen (Grundleistungen: 51 Prozent; HLU: 24 Prozent) aufgewendet und 25 Prozent entfielen auf Besondere Leistungen (Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt, Arbeitsgelegenheiten, Leistungen nach dem 5. bis 9. Kapitel SGB XII und sonstige Leistungen). Die Einnahmen – vor allem Leistungen von Sozialleistungsträgern – betrugen gut 1,9 Millionen Euro.
Rein rechnerisch musste 2011 jeder hessische Einwohner für Asylbewerberleistungen rund 9 Euro pro Jahr aufwenden (2010: 8,57 Euro), 1994 hatte dieser Betrag noch bei 70 Euro gelegen.
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